Ich trinke seit über 40 Jahren schwarzen Tee. In meiner norddeutschen Familie setzte man sich nachmittags zusammen, es gab Tee, dazu noch vielleicht Kekse oder Rosinenbrot. Das hatte rein gar nichts Vornehmes, es war gemütlicher Alltag. Und es galten unausgesprochene Regeln: Der Tee wurde in einer (vorgewärmten) Kanne eingeschenkt, auf einem Stövchen warm gehalten und aus Tassen getrunken. Und zubereitet wurde er aus losen Teeblättern, alles andere war indiskutabel, geradezu unvorstellbar.

Bei meinem ersten Aufenthalt in Großbritannien 1992 stellte ich dann fest: Im Land der Teekultur wurde der Tee fast ausschließlich mit Teebeuteln gekocht (und Stövchen kannte niemand!). Ich war erschüttert.

Ab 2006 war ich denn mit meinem britischen Partner häufiger in Großbritannien, und so habe ich meine Vorbehalte gegen Teebeutel lange abgelegt, bevor wir von 2016 bis 2024 gemeinsam im Nordwesten Englands gewohnt haben. Ich bin noch immer kein Fan der besonders gängigen Marken wie PG Tips oder Yorkshire Tea, aus denen der typische „builder’s tea“ gekocht wird – ziemlich starker schwarzer Tee, eher wachmachend als aromatisch, dafür preisgünstig.

Packungsvergleich zwischen Clipper Marke in Großbritannien und Cupper Marke in Deutschland für schwarzen Tee. Das Design für die Marke in Deutschland hat u.a. den Big Ben dazu gewonnen.

Aber ich habe eine Sorte gefunden, die mir wirklich gut schmeckt – und ich habe sie zu meiner großen Freude auch in Deutschland gefunden, leicht abgewandelt: Wie auf den Fotos zu sehen ist, hat der Tee hier einen anderen Namen, auf der Packung Big Ben aus der Teekanne, außerdem wurden die Beutel an die in Deutschland gängige Form angepasst (im Bild rechts). Nicht nur das: Sie enthalten auch weniger Tee, nämlich nur 2,5 g pro Beutel statt 2,9. Lokalisierung bis zur Beutelebene!

Und zum Abschluss noch zwei fun facts: Im Norden Englands sagt man zum „builder’s tea“ auch „builder’s brew“, und „cuppa“ heißt hier häufig „brew“ („fancy a brew?“). Mit „tea“ wird im Norden dagegen oft das Abendessen bezeichnet („What do you want for your tea?“).

Fun fact Nummer 2: Mittlerweile trinken in Großbritannien mehr Menschen regelmäßig Kaffee als Tee.

Bettina Röhricht ist Übersetzerin und Coach. Sie lebt und arbeitet in Flensburg, zusammen mit ihrem britischen Mann und Übersetzerkollegen Iain und ihren zwei Katzen, Ralphy und Böller. Bettina setzt sich für Klima- und Umweltschutz ein, ist gerne kreativ und beschäftigt sich aktuell viel mit Alltags-Strategien für Menschen mit ADHS.

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