Mit Runen werden allgemein die alten Schriftzeichen der Germanen gemeint. Es handelt sich hier um einen Sammelbegriff für Zeichen aus mehreren Alphabeten aus verschiedenen Zeitperioden und unterschiedlichen Regionen.

Woher kamen die Runen?

Die Runenschrift entstand wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. im germanischen bzw. nordischen Raum. Sie wurde nicht einfach aus dem lateinischen Alphabet kopiert, sondern eigenständig unter dem Einfluss verschiedener mediterraner Alphabete weiterentwickelt.

Der zunehmende Kontakt mit dem Römischen Reich dürfte dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Die Form der Runenzeichen hängt damit zusammen, dass sie sich sehr gut zum Einritzen in Knochen, Holz oder Stein eignen: Die allermeisten Runen bestehen aus senkrechten Hauptstäben und schrägen Nebenstäben. Runde Formen, wie sie das lateinische Alphabet besitzt, sind beim Schnitzen wesentlich unpraktischer.

Das Runenalphabet wird häufig als Futhark bezeichnet, denn die ersten sechs Zeichen sind wie folgt:

ᚠ ᚢ ᚦ ᚨ ᚱ ᚲ

f – u – þ – a – r – k

Wie haben sich die Runen in Skandinavien entwickelt?

  • Älteres Futhark: ca. 150–650/700 n. Chr. (24 Runen)
  • Jüngeres Futhark: ca. 700/725–1050 n. Chr. (16 Runen)
  • Mittelalterliche Runen: ca. 1050–1400/1500 n. Chr., erweitertes/verändertes
    16er-System

Diese Jahresangaben sind nicht als absolute Grenzen zu verstehen, denn die Systeme gingen allmählich ineinander über.

Das ältere Futhark – 24 Runen

Das ältere Futhark ist das früheste Runensystem Skandinaviens und bestand aus 24 Zeichen. In Skandinavien finden sich entsprechende Inschriften beispielsweise auf:

  • Waffen
  • Alltagsgegenständen
  • Frühen Runensteinen

Die Inschriften sind häufig erstaunlich kurz – meistens handelt es sich um Namen, Besitzerangaben oder Handwerkerinschriften.

Das jüngere Futhark – 16 Runen

Runen: das jüngere Futhark

Im Laufe der Eisenzeit veränderte sich die gesprochene Sprache in Skandinavien erheblich. Gleichzeitig wurde das Runensystem im 7. und 8. Jahrhundert stark vereinfacht, d. h. aus den 24 Runen des älteren Futharks wurden nur 16. Das jüngere Futhark entstand etwa um 700/725 n. Chr. und dominierte die Wikingerzeit.

Zunächst klingt dies wie ein Rückschritt. Tatsächlich musste ein Runenmeister nun aber mit den 16 Zeichen mehr Laute darstellen. Mit dem neuen System konnte dieselbe Rune, abhängig vom Zusammenhang, für verschiedene Laute stehen. Das jüngere Futhark ist also das, was landläufig als „Wikinger-Runen“ bezeichnet wird.

Es wurde in ganz Skandinavien verwendet und von den Wikingern auch auf ihren Reisen mitgenommen. Aus diesem Grund finden sich Runeninschriften heute auch in England, Russland und Grönland. Sogar in der Hagia Sofia in Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) wurden Runen gefunden. Diese stammen schätzungsweise aus der Zeit zwischen 1050 und 1150 und wurden durch Wikinger, die in der Leibgarde des byzantinischen Kaisers dienten, geritzt.

Die berühmten Runensteine

Die große Blüte der Runensteine fällt in die Wikingerzeit und die Zeit unmittelbar danach. Diese Steine wurden oft errichtet

  • zum Gedenken an Verstorbene
  • zur Darstellung von Familienverhältnissen
  • zur Erinnerung an Reisen
Runensteine in Schweden
(Runensteine in Västergötland, Schweden)

Wo kann man heute die historischen Runen besichtigen?

Wer heute möglichst viele Runen vor Ort sehen möchte, sollte unbedingt die Runensteine, vor allem in Schweden, aufsuchen. Das schwedische Historische Museum spricht von ungefähr 2.500 Runensteinen, davon etwa 1.300 allein in der Landschaft Uppland, nördlich von Stockholm.

Hier stehen bzw. liegen Runensteine teilweise direkt an alten Verkehrswegen, Kirchen und ehemaligen Siedlungsplätzen.

Schweden hat so viele Runeninschriften, dass die schwedische Denkmalbehörde mittlerweile eine eigene digitale Plattform namens Runor betreibt. Dort sind rund 7.000 Runeninschriften aus verschiedenen Sammlungen und Datenbanken verzeichnet.

Die Runen im Mittelalter

Die Christianisierung der Wikinger ab dem 11. Jahrhundert bedeutete zwar, dass das lateinische Alphabet nach Skandinavien gelangte, trotzdem verschwanden die Runen nicht. Diese beiden Schriftsysteme existierten über Jahrhunderte nebeneinander, und es gibt zahlreiche christliche Runeninschriften.

Wo trifft man heute auf Runen?

Erstaunlicherweise so gut wie täglich. Die Bluetooth-Technologie wurde von einem Team beim Technologieunternehmen Ericsson entwickelt. Der Name bezieht sich auf den dänischen König Harald Blåtand Gormsen, in einem deutschen Kontext oft Harald Blauzahn genannt. Dieser König sorgte dafür, dass im 10. Jahrhundert viele Teile Skandinaviens vereinigt wurden.

Die Idee mit der Benennung war sinngemäß: So wie Harald verschiedene skandinavische Gebiete zusammenbrachte, sollte die Bluetooth-Technologie unterschiedliche elektronische Geräte miteinander verbinden.

Das Logo von Bluetooth setzt sich daher aus den Runen  ᚼ  und  ᛒ , d. h. H und B für Harald Blåtand, zusammen.

Bluetooth-Logo als Zusammensetzung der Runen für H und B
(Bluetooth-Logo aus den Runen für H und B)

Erik Hansson ist gebürtiger Schwede und lebt seit 1991 in Deutschland. Er ist seit über 30 Jahren professioneller Übersetzer für Deutsch ins Schwedische und hat sich auf technische Bereiche wie Maschinenbau, Automation, Anlagenbau und Erneuerbare Energien spezialisiert.

Zu seinen Kunden gehören nicht nur klein- und mittelständische Unternehmen, sondern auch börsennotierte Konzerne aus dem deutschsprachigen Raum (DACH), die auf dem schwedischen Markt tätig sind.

Erik ist seit 2004 Mitglied im schwedischen Branchenverband SFÖ-SAT (Sveriges facköversättarförening och auktoriserade tolkar) und außerdem Gründungs- und Ehrenmitglied des DVÜD e. V.

Neben seiner Übersetzungsarbeit setzt er sich dafür ein, die Professionalität in der Übersetzungsbranche zu stärken und das unternehmerische Bewusstsein unter freiberuflichen Kollegen zu steigern. Als überzeugter Netzwerker ist Erik aktiv auf der Business-Plattform LinkedIn und außerdem Gründer und einer der Moderatoren der bekannten Facebook-Gruppe „Things Translators Never Say“.

Bilder: Swedish National Heritage Board: Allmänt om runor, Swedish National Heritage Board: Västergötland, Destiny Sweden AB (Dstny)

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