Im Laufe der Geschichte wurde die schwedische Sprache stark von anderen Sprachen beeinflusst, vor allem durch Lehnwörter und kulturellen Austausch. Die einflussreichsten Sprachen sind Deutsch bzw. Plattdeutsch (Handel und Wirtschaft), Latein und Griechisch (Kirche, Wissenschaft), Französisch (Kultur, Gastronomie) sowie Englisch, das seit der Nachkriegszeit dominiert.
Die große Anzahl französischer Lehnwörter im Schwedischen ist das Ergebnis enger kultureller, politischer und sozialer Kontakte zwischen Schweden und Frankreich, insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert. In dieser Zeit galt Frankreich als die führende Macht in Europa, sowohl militärisch, politisch als auch kulturell.
Unter Herrschern wie Ludwig XIV. (1638–1715) wurde der französische Hof zum Vorbild für den Adel und die Monarchien in ganz Europa. Französisch wurde nicht nur zur Sprache der Diplomatie, der Hofkultur und der gebildeten Elite, sondern hat auch die Rolle eines Statussymbols eingenommen.
Auch in Schweden nahm der Einfluss der französischen Sprache erheblich zu, insbesondere im 18. Jahrhundert unter Gustav III. (1746–1792). Der schwedische König, ein großer Bewunderer der französischen Kultur, führte Reformen im Theater- und Kulturbereich durch, gründete Institutionen nach französischem Vorbild und förderte die französische Sprache am Hof. Französisch wurde sogar vorübergehend als Alltagssprache in aristokratischen Kreisen verwendet. Viele schwedische Adlige erhielten ihre Ausbildung in Frankreich oder von französischen Lehrern.
Ein anderer wichtiger Hintergrund ist die politische Entwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts: 1810 wurde der französische Marschall Jean-Baptiste Bernadotte zum Kronprinzen von Schweden gewählt und bestieg später als Karl XIV. Johann den Thron. Er ist der Begründer des schwedischen Königshauses Bernadotte, das bis heute regiert. Auch wenn der direkte sprachliche Einfluss zu diesem Zeitpunkt bereits etabliert war, stärkte diese Verbindung die kulturelle Nähe zwischen den beiden Ländern noch weiter.

Nationalmuseum Schweden
In bestimmten sozialen und kulturellen Bereichen sind französische Lehnwörter im Schwedischen besonders häufig:


Hof- und Gesellschaftssprache
Französisch war die Sprache des Adels, und somit haben viele Ausdrücke, die sich auf das gesellschaftliche Leben beziehen, ihren Ursprung im Französischen. Dazu gehören unter anderem Wörter wie etiquette bzw. etikett, ballet bzw. ballett oder salon bzw. salong. Diese Wörter spiegeln die höfischen Umgangsformen und den Lebensstil des Hofes wider.
Kultur, Kunst und Theater
Im 18. Jahrhundert war die französische Kunst, und daher auch die Sprache, ein wichtiges Vorbild für das schwedische Theater. Begriffe wie pièce bzw. pjäs (Stück) und scène bzw. scen (Bühne) stammen direkt aus dem Französischen. Auch in der Literatur und Kunst ist der Einfluss deutlich erkennbar: feuilleton bzw. följetong (Fortsetzungsgeschichte) oder événement bzw. evenemang (Veranstaltung).
Mode und Lebensstil
Zu dieser Zeit galt Frankreich als Zentrum der Mode, daher gibt es viele Beispiele im Bereich Kleidung, Stil und Einrichtung, z.B. fauteuil bzw. fåtölj (Sessel) oder parapluie bzw. paraply (Regenschirm). Diese Wörter wurden zunächst vor allem von den oberen Schichten verwendet und wurden erst später in die Alltagssprache aufgenommen.
Militär und Verwaltung
Da Frankreich als eine militärische Großmacht galt, stammen auch viele militärische Begriffe aus dieser Zeit, z.B. armée bzw. armé, officier bzw. officer oder régiment bzw. regement. Auch Begriffe aus der Verwaltung, z.B. ambassade bzw. ambassad (Botschaft) und ajourner bzw. ajournera (vertagen) haben französische Wurzeln.
Gastronomie
In der Gastronomie ist der Einfluss noch stärker als in der Verwaltung, was sich auch teilweise in anderen Sprachen zeigt. Hier finden wir Wörter wie bouteille bzw. butelj (Flasche), méringue bzw. maräng (Baiser, Meringue) oder casserole bzw. kastrull (Topf).
Insgesamt lässt sich sagen, dass französische Lehnwörter ein Ausdruck einer historischen Periode sind, in der Frankreich als kulturelles Vorbild Europas galt. Auch wenn der direkte Einfluss heute weniger bedeutend ist, prägen diese Wörter nach wie vor den modernen schwedischen Wortschatz und erinnern an eine Zeit intensiver kultureller Orientierung an Frankreich.
Bilder: Nationalmuseum Schweden / europeana, 1951 IKEA Katalog, S. 7 / IKEA Museum, 1997 IKEA Katalog, S. 189 / IKEA Museum