Ein Blick auf ein starkes Gegensatzpaar in unserer Branche – und eine Einladung an dich, im Februar gemeinsam aktiv und produktiv zu werden.
Polarisierungen sind immer ein guter Katalysator, wenn sich – wie jetzt zum Jahreswechsel – das Bedürfnis nach Orientierung Bahn bricht. Wenn wir also ein, zwei Schritte zurücktreten, sind das nicht die beiden prägenden Vektoren unserer Branche? Auf der einen Seite der Megatrend Richtung Automatisierung, Algorithmen und agentische KI, auf der anderen Seite (die vielleicht schon zu einer Ecke geschrumpft ist?) wir, die Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen, also du und ich, die ihre Autonomie behaupten wollen, aber für die Tech Apostel schon längst (oder ganz bald) eins sind, nämlich überflüssig?
Unsere Branche ist längst vertraut mit dieser Dialektik, die Tech-Crowd ist mit Schmeicheleien um Schadensbegrenzung bemüht, und die lautet: Die Synthese, der Kompromiss, der Mittelweg, das sollst du sein, als „Human in the Loop“. Daran führt kein Workflow mehr vorbei. Allerdings, die Realität im Loop? Der vermeintliche Mittelweg gewährt uns in der Regel kaum den Freiraum, über den Einsatz automatisierter Abläufe zu entscheiden, geschweige denn über unseren eigenen Workflow. Ich bin nur der Human, den Loop haben andere programmiert. Dabei haben sie die Abläufe so weit konfiguriert und vorgetaktet, dass uns häufig wenig anderes als eine minimalisierte, marginalisierte Rolle in einer oft intransparent und teilweise bewusst kommunikationsarm gestalteten Lieferkette bleibt. Der „Human in the Loop“, das ist digitaler Taylorismus.

Autonomie dagegen, das ist die Freiheit, frei zu sein, das hat die Philosophin Hannah Arendt so gesagt. Damit meine ich nicht Freiheit von jeglicher und jeder Form der Automatisierung. Sondern die Freiheit in der Entscheidung über den Grad der Automatisierung, den du in deiner Arbeit zulässt, um gute Arbeit zu liefern. Frei zu sein, deinen Loop in Absprache mit deinen Kolleg:innen so zu gestalten und zu definieren, dass dein Workflow dir und den Bedürfnissen deiner Kund:innen oder Endkund:innen gerecht wird. Nicht du, nein, die Maschine gehört in den Loop – über deine Tools, über ihren Einsatz und den Umfang ihres Einsatzes, entscheidest du! In diesem Sinne könnte ein Vorsatz für das noch junge Jahr lauten: Autonomier dich!
Das schreibt sich natürlich leicht, vor allem, wenn es als Aufruf so vage ist. Doch wie soll das gehen, Autonomie (zurück)gewinnen?
Auf die Gefahr hin, dich mit einem banalen Ratschlag zu enttäuschen, lautet meine Antwort aus Verbandsperspektive: durch mehr individuelle Sichtbarkeit – ein starkes LinkedIn-Profil, eine überzeugende Website, vertrauenstiftende Ansprache. Vielleicht denkst du jetzt, seriously, sein Ernst?
Fun Fact: Über die Hälfte unserer Verbandsmitglieder hat keine eigene Website, kein aussagekräftiges LinkedIn-Profil. Wenn deine potenziellen Kund:innen nicht von dir und deiner Expertise wissen, bleibt es schwer, sich in Richtung Autonomie zu entwickeln.
Wenn du also daran arbeiten möchtest, laden wir dich zum gemeinsamen Produktivsein ein: In einer kleinen Gruppe wollen wir am 9. Februar um 19 Uhr eine „Feedback-Runde Online-Präsenz“ anbieten. Ein Safe Space, in dem wir uns gegenseitig Rückmeldung zu unseren jeweiligen Internet-Auftritten geben – konstruktiv und wertschätzend. Die Einzelheiten finden Mitglieder im Mitgliederportal. Wenn noch Plätze verfügbar sind, wird die Runde am 22. Januar auch für externe Teilnehmende eröffnet.
Bild: Kasper Rasmussen / Unsplash
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