E wie Exit-Strategie: Wie geht es weiter, wenn es nicht weitergeht?
KI ist nicht erst seit gestern in aller Munde. Und unsere Profession, die des Übersetzers oder der Übersetzerin, gilt als besonders bedroht. Warum? Einerseits sind Dienste wie Google& Translate oder DeepL immer besser geworden, andererseits bietet auch die künstliche Intelligenz – wie ChatGPT oder Gemini – starke Übersetzungsfunktionen. Vielleicht spüren wir bereits selbst, dass sich die Auftragslage verschlechtert, ob wegen KI oder aus anderen Gründen. Vielleicht habt ihr, wenn ihr Freiberufler seid, ja auch solche E-Mails wie hier abgebildet bekommen. Wie gehen wir damit um? Uns Freiberuflern fehlt ja oft eh schon die Sicherheit,...
D wie DVÜD: Durchstarten und dran bleiben – Teil 2
Teil 1 ist hier. 2020 bis 2025: Freiberuflich durch die Krisen 2020 begannen die DVÜD-Themenwochen: Mehrmals im Jahr gab es eine Woche lang Artikel und Webinare zu einem speziellen Thema (z. B. Nachhaltigkeit, Technik, Recht oder Freiberuflerwissen) – in erster Linie von eigenen Mitgliedern und passend zu aktuellen Fachmessen. Die Corona-Lockdowns trafen dann insbesondere die Dolmetscher:innen der Branche brutal hart. Der DVÜD war zum Glück strikt digital ausgerichtet, hatte die nötige Technik parat und konnte Online-Mitgliederversammlungen schon vorher rechtssicher durchführen. Auch das zehnjährige Verbandsjubiläum 2021 feierten wir...
D wie DVÜD: Durchstarten und dran bleiben – Teil 1
Wie alles begann: Die Unbeheimateten Ende der Nuller Jahre traf sich die deutschsprachige Übersetzer-Szene gern in der Übersetzer-Lounge, einem moderierten Forum auf dem Portal XING. Schnell kristallisierten sich verschiedene Übersetzertypen: Einige brachten eine solide Ausbildung im Übersetzen und Dolmetschen mit, hatten aber wenig unternehmerisches Wissen. Andere hatten als Quereinsteiger gefragte Sprachkenntnisse und fachliche Expertise, aber keine einschlägige Ausbildung. Manche übersetzten und dolmetschten ehrenamtlich – oder suchten Ehrenamtliche. Und es gab solche wie mich, die merkten, dass sich viel veränderte und Austausch mit...
C wie Copywriting: Wie Worte im Luxussegment Wirkung entfalten
Copywriting ist weit mehr als das Schreiben schöner Sätze. Es ist die Kunst, Marken eine Stimme (den sogenannten Tone of Voice) zu geben, Emotionen zu wecken und Erlebnisse zu gestalten. Besonders im Luxussegment – von Hospitality über Beauty bis hin zu Lifestyle – entscheidet die Sprache darüber, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird. Klarheit spielt dabei eine zentrale Rolle: Nur verständliche, präzise formulierte Inhalte können ihre volle Wirkung entfalten und Leserinnen und Leser mühelos in eine Markenwelt führen. Im Luxusbereich zählt jedes Detail. Worte müssen nicht nur informieren, sondern auch Atmosphäre schaffen. Sie sollen...
C wie Comic: Multimediales Medium trifft interdisziplinäre Forschung
Comics sind ein spannender multimedialer Bereich in der Übersetzung. Sie verbinden Sprache, Bild und Kultur auf ganz besondere Weise – und oft begegnen Übersetzer:innen dabei mehreren Sprachen und kulturellen Kontexten gleichzeitig. Deshalb wollte ich mit jemandem sprechen, der sich beruflich und leidenschaftlich mit Comics beschäftigt. Arnold Bärtschi verbindet in seiner Forschung die Antike mit Comics und kann uns Einblicke geben, wie Sprache, Kultur und historische Themen in diesem Medium zusammenkommen. 2024 habe ich Arnold über die ComFor – Gesellschaft für Comicforschung kennengelernt. Schon als Kind hat ihn die Dorf-Bibliothek mit...
B wie BKMS: Eine südslawische Sprachgruppe des Balkans
BKMS – die Abkürzung für Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Serbisch – ist weniger eine eigenständige Sprache, sondern vielmehr ein sprachliches Gewebe auf dem Balkan, ein Kontinuum aus eng verwandten Standardsprachvarianten, die über Grenzen hinweg fließen, ohne dabei ihren eigenen Charme zu verlieren. Wer sich auf eine Reise durch Sarajevo, Zagreb, Podgorica oder Belgrad begibt, betritt einen vereinten sprachlichen Äther. In dieser Welt betonen unterschiedliche Nuancen, Schreibweisen und Wortwahlen die kulturelle Einzigartigkeit und erleichtern dennoch eine reibungslose Verständigung. In der Sozialistischen Föderativen Republik...
B wie Battle der Beutel: Von Teekännchen zu „builder’s brew“ und zurück
Ich trinke seit über 40 Jahren schwarzen Tee. In meiner norddeutschen Familie setzte man sich nachmittags zusammen, es gab Tee, dazu noch vielleicht Kekse oder Rosinenbrot. Das hatte rein gar nichts Vornehmes, es war gemütlicher Alltag. Und es galten unausgesprochene Regeln: Der Tee wurde in einer (vorgewärmten) Kanne eingeschenkt, auf einem Stövchen warm gehalten und aus Tassen getrunken. Und zubereitet wurde er aus losen Teeblättern, alles andere war indiskutabel, geradezu unvorstellbar. Bei meinem ersten Aufenthalt in Großbritannien 1992 stellte ich dann fest: Im Land der Teekultur wurde der Tee fast ausschließlich mit Teebeuteln gekocht...
A wie Autonomie oder Automatisierung?
Ein Blick auf ein starkes Gegensatzpaar in unserer Branche – und eine Einladung an dich, im Februar gemeinsam aktiv und produktiv zu werden. Polarisierungen sind immer ein guter Katalysator, wenn sich – wie jetzt zum Jahreswechsel – das Bedürfnis nach Orientierung Bahn bricht. Wenn wir also ein, zwei Schritte zurücktreten, sind das nicht die beiden prägenden Vektoren unserer Branche? Auf der einen Seite der Megatrend Richtung Automatisierung, Algorithmen und agentische KI, auf der anderen Seite (die vielleicht schon zu einer Ecke geschrumpft ist?) wir, die Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen, also du und ich, die...
A wie Anfänge im freien Sprachberuf
Seit dem Anfang ihrer Selbstständigkeit sammelt Ines Kauffoldt nicht nur Übersetzungsaufträge, sondern vor allem Erfahrungen: erste Anfragen, erste Absagen, Phasen hoher Auslastung und Zeiten des Stillstands. Aktuell treibt sie die Frage um, wie sich Selbstständigkeit realistisch und nachhaltig gestalten lässt (jenseits von Perfektionsanspruch und Dauerhoch). Sie glaubt daran, dass Entwicklung in Wellen verläuft und dass gerade die leisen Phasen oft den Grundstein für neue Klarheit legen.